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Tuesday, 30 August 2011 13:24

Wieviel sind 84 Millionen Euro in Mikrospenden? (Part II.)

WRITTEN_BY  connormarc

Nach 2009 kommt immer noch 2010. Einer ähnlich linearen Logik folgen auch Jahresberichte über das gesellschaftliche Engagement der Genossenschaftlichen Finanzgruppe Volks- und Raiffeisenbanken. Wie schön, dass ich den  Blogbeitrag zum Thema Jahresbericht 2009, auch aufgrund der Beständigkeit der Bankengruppe in Sachen Spenden, heute nahezu 1:1 wieder verwenden kann. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Ob nun eher "Fels in der Brandung" oder "unflexibler Apparat" sei mal dahin gestellt.

 

Tatsache ist: Ca. 84 Millionen Euro hat die FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken 2010 gespendet. Diese Zahl geht aus dem aktuellen Bericht über das gesellschaftliche Engagement des genossenschaftlichen FinanzVerbundes hervor. Und wer würde in diesem Zusammenhang die Seriosität von Ulrich Wickert, der die genossenschaftliche Idee nach wie vor patenschaftlich kommuniziert, ernsthaft bezweifeln wollen? Eben.

 

84 Millionen Euro. Eine Zahl die einlädt, sie nicht nur nach dem Motto: „Mehr und besser geht nicht“ stehen zu lassen sondern sie hier und da mal ins Verhältnis zu setzen. Für mich ist es auch interessant, einen skizzenartigen Vergleich einer selbst spendenden Bank und einer (bis dato fiktiven, regionalen) Bank anzustellen, die das Spenden eher in den Verantwortungsbereich ihrer Kunden bzw. der Menschen in ihrer Region legt.

 

Die zentrale Frage ist dabei nach wie vor, ob und ggf. inwieweit regelmäßiges und automatisiertes Bank-Mikrospenden den regionalen Spendenfluss erhöhen kann.

 

Leider können solche Rechenmodelle hier nur vage skizziert werden, in eine Richtung weisen sie aber trotzdem.

 

Und so lassen sich Durchschnittswerte ermitteln, wenn man z.B. die Spendensumme auf die Gesamtzahl der Non-Profit-Organisationen in Deutschland bezieht. Hier gehen grobe Schätzungen von insgesamt ca. 80.000 bundesweit aus. Unterm Strich und durchschnittlich entfallen damit ca. 1.050,00€ also rund 1.000,00€ auf jeden Verein im Jahr 2010 an Spendengeldern, vergeben von der FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken. Ein Durchschnittswert. Nicht mehr, nicht weniger.

 

Diese Summe freut natürlich erst einmal sowohl die NPO als auch deren Vorstand. Da ist das ein oder andere Projekt in der Region schon gefördert, das würde wohl niemand ernsthaft bestreiten.

 

Wie sieht es nun aber aus, wenn Spendengelder nicht von der Bank selbst sondern als Mikrospenden von den Menschen in der Region für deren Vereinslandschaft verteilt werden. Zu Grunde liegt der Gedanke des im Zentralrechner implementierten Subsystems, das innerhalb von fest definierten Ober- und Untergrenzen die sog. „zufälligen“ Mikrospenden generiert. Dies automatisch und vor allem regelmäßig.

 

Rechnen kann man in dem Zusammenhang eine ganze Menge, wenn einem danach ist.

 

Aber mal angenommen, es finden sich für einen Verein regional insgesamt 100 Menschen, die das Mikrospenden-Angebot ihrer Bank nutzen:

 

- 50 Mikrospender, die sich z.B. für Variante 1

(Kleinstbeträge zwischen 0,01€ und 0,99€)

 

- 50 Mikrospender, die sich für Variante 2

(Kleinbeträge zwischen 0,01€ und 9,99€)

 

entscheiden, dann wächst die NPO-Kasse bis zum Ende eines Jahres um

ca. 10.000,00 € pro Verein und damit um das ca. 10-fache des 2010 von der Bankengruppe durchschnittlich gespendeten Wertes an.

 

Ich wage mich an eine These:

 

Durch Mikrospenden mit 2 unterschiedlichen Verfahrensvarianten kann die Finanzgruppe Volksbanken Raiffeisenbanken (und andere Kreditinstitute) den Spendenfluss in die Regionen nicht nur monetär um ein mehrfaches erhöhen sondern damit auch Vielfalt in den Angeboten schaffen. Sie ergänzt bzw. erweitert damit, meines Erachtens nach, ihr gesellschaftliches Engagement um ein weiteres, eher partizipatives Element. Werte vermitteln ist das Eine, Werte durch entsprechende, technikpartizipative Einflussmöglichkeiten langfristig verankern eine andere Sache. In einem Aspekt bin ich schon einmal ganz bei der Finanzgruppe: "Werte schaffen Werte", wobei es zeitweise unzureichend ist, sich auf bereits etablierte Wertkonstellationen zu verlassen und damit "nur" den Status Quo zu pflegen.

 

Bezogen auf technikpartizipative Elemente im Banking bedeutet dies vereinzelt eine Abkehr von z.T. ausgetretenen Pfaden oder auch evtl. nicht mehr zeitgemäßen Vorstellungen oder "Kundenbilder", die fest in der Bankenlandschaft verankert sind:

 

"Gesellschaftliche Werte und Normen werden durch neue Technik herausgefordert und möglicherweise verändert. Technik kann gesellschaftlich akzeptiert werden, auch wenn sie zunächst mit Werten kollidiert, wenn nämlich durch Technik gerade diese Werte verändert werden" (Grunwald 2003: S.10)

 

Damit würde die Bank weniger selbst als spendende sondern eher als eine Institution in Erscheinung treten, die ihren Kunden die Möglichkeit einrichtet, technische Infrastruktur zur Erzeugung von eigenen, regionalen „Spendentransfers“ einzusetzen und zu nutzen.

 

Mit konkreten Zahlen halte ich mich bei diesem Gedanken schon deshalb zurück da nach wie vor ungeklärt ist, wie viel die Implementierung des Spendensystems tatsächlich kostet und wie hoch der Wert einer bankinternen Mikrospenden-Buchung ausfällt (insgesamt sind für das Verfahren 48 Buchungen im Jahr pro Person vorgesehen).

 

Diese Fragen sind bis jetzt unbeantwortet und werden dies, da Mikrospenden nun nicht gerade das Kerngeschäft von Banken darstellt, vermutlich auch noch einige Zeit bleiben. Erste Schätzungen, die auf skizzenhaften und groben Rechnungen bzw. Datenmaterial von Rechenzentren basieren gibt es dennoch.

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