Wer würde bestreiten wollen, dass die Verarbeitung von Daten nicht auch heutzutage den organisatorischen und geschäftspolitischen „Kern“ von Bank-Rechenzentralen darstellt? Rechenzentralen sind für mich primär datenverarbeitende Unternehmen. Nun kann man zu der Ansicht gelangen, dass, sofern es sich beim Gedanken eines zentalgesteuerten Mikrospendens gleichfalls um Datenverarbeitung handelt, die Implementierung von regional wirksamen Spenden (Sub)Systemen keine größeren Hürden hervorbringen sollte, zumal bereits geklärt wurde, dass bis dato seitens der Bafin oder auch des KWG in dieser Frage keine verfahrensrechtlichen Schwierigkeiten erkannt werden.
Aber bis heute gibt es seitens der Betreiber von Rechenzentralen keinerlei positives Signal hinsichtlich Mikrospenden bzw. genau genommen gibt oder gab es hier überhaupt nie jemals irgendein Signal.
Was zum Einen einer adäquaten Erreichbarkeit geschuldet sein kann (Wie können Rechenzentralen in einer für diese verständlichen Form angesprochen werden?) beinhaltet aus meiner Sicht aber vor allem tiefschichtige Missverständnisse, die darin wurzeln, dass es sich beim randomisierten Mikrospenden eben gerade nicht um eine Datenverarbeitung handelt, sondern, im Gegensatz zum Begriff der Organisation, um eine Form der Improvisation. Wer diesem Gedanken folgt erkennt, welch hohe Hürden zu nehmen sind, um in naher, mittlerer oder ferner Zukunft etwas mehr elektroethische Prozesse (Achtung: Ethik!) in Bank-Rechenzentralen vorzufinden.
Das Missverständnis zwischen Datenverarbeitung und Mikrospenden wird deutlicher, wenn man Datenverarbeitung als das begreift, was sie ist:
"Datenverarbeitung (DV) bezeichnet den organisierten Umgang mit Datenmengen mit dem Ziel, Informationen über diese Datenmengen zu gewinnen oder diese Datenmengen zu verändern."
Wer dieser Definition grundsätzlich zustimmt, der bejaht den „organisierten Umgang“ mit Datenmengen und damit den Aspekt, dass es sich beim Organisieren der Wortbedeutung nach um ein planmäßiges ordnen, gestalten, einrichten, aufbauen handelt.
Mikrospenden werden nicht planmäßig und geordnet gesammelt sondern bedienen sich Aspekte, die eher dem Zufall oder auch der Improvisation entnommen sind.
Entlehnt wurde Das Verb improvisieren im 18. Jahrhundert aus dem italienischen improvviso, das zu improvviso im Sinne von unvorhergesehen, unerwartet entstanden ist.
Niemand, der sich für Mikrospenden entscheidet kann vorhersehen oder erwarten, wie viel er am Ende eines Monats für eine gemeinnützige Organisation in seiner Region gespendet haben wird. Dies bleibt improvisierten Prozessen oder zufallsgesteuerten Prozessen überlassen, die sich zwar innerhalb definierter Grenzen bewegen, dies aber dann „frei“ und „dynamisch“.
Kurzum: Das Spenden-Subsystem kann die „Zufallssteuerung“ innerhalb planmäßig geordneter Datenverarbeitung in Bank-Rechenzentralen sein.
Warum aber das Alles?
Einzig und allein aus dem Grunde, den Versuch zu unternehmen, das „Geben“ von hinderlichen Hürden zu befreien und dabei so „situativ“ wie möglich zu gestalten. Denn „Geben“ ist in meinen Augen eben nichts planmäßig Geordnetes und damit weit entfernt von Formen einer „vernünftigen“ Datenverarbeitung.
„Geben“ ist für mich eine Form der Improvisation, ein unvorhergesehenes Moment, das mich völlig unerwartet überraschen kann.
Diese Anforderung in elektronischer Form in Bank-Rechenzentralen abzubilden bzw. für den dortigen Einsatz zu "übersetzen", macht für mich die eigentliche Hauptschwierigkeit aus und es wird wohl noch einige Zeit in Anspruch nehmen, bis Bank-Rechenzentralen in den Köpfen der Menschen keine datenverarbeitenden, hochtechnologischen Giganten mehr sind. Wenn es überhaupt jemals dazu kommen sollte.
Zur historischen Vertiefung:
Jürgen Dube – Computer für Genossenschaften, Die Geschichte der genossenschaftlichen Rechenzentralen