Für mich als Befürworter der zentralregionalen Subsystem-These bildet der direkte, persönliche Austausch mit Mitarbeitern einer Bank stets ein besonderes Erlebnis. Wann schon besteht die Möglichkeit, einmal „tiefere“ Einblicke in Menschen- bzw. Kundenbilder oder auch Banking-Philosophien aus der „Innensicht“ zu erhaschen, wenn nicht bei Beratungsgesprächen, die vordergründig erst einmal gar nichts mit „Subsystemen“ oder auch "Bank-IT" zu tun haben?
Es dürfte unbestritten sein, dass dort, an all den vielen Orten in den Gemeinwesen, wo heute Banken bzw. Bankfilialen stehen, innerstädtische Gärten sein könnten. Statt: „Jeder Garten eine Bank“ nun „Jede Bank ein Garten“. Manchmal erfreut mich dieser utopische, sozialräumliche Gedanke, denn mit einem Mal hätte sie ein Ende, die aus meiner Sicht etwas „ermüdende“ Auseinandersetzung mit der Zukunft der Bankfiliale bzw. der Beschaffenheit ihres Inventars, angesiedelt zwischen künstlicher Palme, Ikea-Regal und vollautomatisiertem Touch-Table.
Man kann sich wahlweise wundern oder es einfach auch nur bedauerlich finden, dass (regionale) Banken derzeit eher wenig bis nichts aktiv unternehmen, um die Potentiale der „Vielen“ und deren wachsende Bereitschaft der Teilnahme bzw. Forderung nach Teilhabe zu unterstützen. Dabei deutet Einiges darauf hin, dass es sich bei Themen wie dem "urbanen Gärtnern" oder dem „gemeinschaftlichen Finanzieren“ um weit mehr als nur um vorübergehende Trends handelt.
Es mag mitunter auch am Wetter liegen, aber gäbe es in Bezug auf sog. "IT-Landschaften" von Banken eine ähnlich lebhafte Debatte wie die über urbanes Gärtnern, dann könnte er auch im Bankwesen eine Beschleunigung erfahren, der Wandel von eher "monokulturellen" Ansätzen hin zu mehr "Vielfalt" bzw. echter "IT-Diversität", deren Leitprinzip weniger eine Verminderung des Ausfallrisikos von Systemen als mehr die konsequente, systemische Öffnung hin zum Bank-Kunden darstellt.
Seit einiger Zeit belebt die Debatte über Monokulturen und (Bio)Diversität gleichsam Laien, Interessierte und Fachleute. Das verwundert wenig, denn die Auseinandersetzung mit Themen wie „Vielfalt“, „Regionalisierung“, „Spezialisierung“ oder „Standardisierung“ sowie „Zentralisierung“ bildet, gerade vor dem Hintergrund einer stetig wachsenden Weltbevölkerung ein fortwährendes Spannungsfeld. Patentlösungen „von der Stange“, was Verteilungsfragen angeht, sucht man ja seit eh und je vergebens.
Die Anzahl der Menschen, die sich gedanklich mit der Verknüpfung von (regionalem) Bankwesen und Modellen der Finanzierung durch „Viele“ beschäftigen ist nicht nur überschaubar. Sie ist mikroskopisch gering. Eine öffentliche Auseinandersetzung mit diesem Thema findet derzeit eigentlich nicht statt. Eigentlich. Denn erst unlängst stellte Lothar Lochmaier die These in den Raum, dass „jene Bank, die in zwei bis vier Jahren keine externen Funktionalitäten in Richtung Crowdfunding an die eigenen IT-Systeme angedockt hat [...] als überkommen angesehen [wird].“ Und Boris Janek, Mitarbeiter der VR NetWorld GmbH, ist der Meinung, Crowdfunding sei „eine Chance für das genossenschaftliche Modell“
Das mit Bank und Subsidiarität ist so eine Sache. Was u.a. als wirtschaftliche und gesellschaftliche Maxime in seinen Ursprüngen bis ins Zeitalter der Reformation zurückgeht, wird im Genossenschaftsfilm der Volksbanken und Raiffeisenbanken in ca. 10 Sekunden wie folgt zusammengefasst:„Außerdem sind wir subsidiär. Bei uns erledigt jede der über 1100 Genossenschaftsbanken selbständig, was sie selbständig erledigen kann.“ Diese Kernaussage bringt das Verständnis von Subsidiarität der Bankengruppe auf einen etwas voreilig gesetzten Punkt.
Durchschnittlich 80.000 Menschen werden derzeit täglich zu Kleinspendern an extra für diesen Zweck modifizierten Kassen im Land. „Was einer allein nicht schafft, das schaffen Viele“ – Es scheint, als hätte die ursprünglich genossenschaftliche Idee neue Erscheinungsformen für sich entdeckt. Das mag nicht verwundern, denn auch einer der Gründungsväter des Genossenschaftswesens, Raiffeisen, konnte damals nicht ahnen, dass 2012 die genossenschaftliche Idee u.a. vor erweiterten, technologisch bedingten Herausforderungen stehen wird.
„Verbreiten Sie die Idee. Die Utopien von heute sind die Realität von morgen.“ Nein, dieser Ratschlag von Götz Werner hat mit Spenden zunächst einmal nichts zu tun. Vielmehr mit Einkommen. Und doch liegt der Gedanke eines bedingungslosen Grundeinkommens nicht etwa weiter entfernt von Utopia, dem „Nicht-Ort“, als der Gedanke von den in die Systemarchitektur von (regionalen) Banken implementierten Mikrospenden-Subsystemen. Anders formuliert: Beide Ansätze sehen sich mit der Tragik der Unrealisierbarkeit konfrontiert und es stellt sich die Frage, worin diese Tragik begründet liegen kann. Anhand von 3 Gründen, die einer (schnellen) Realisierbarkeit vom gemeinnützigen, regionalen Sammel-Subsystemen entgegenstehen, kann nun etwas Licht ins Dunkel des fernen Utopia gebracht werden.
Technik ist neutral? Technik war noch nie neutral? Man kann es drehen und wenden und diskutieren wie man möchte – Die Technologie, die im Bankensystem zum Tragen kommt, steuert zunächst Wert. Und diese Vorgänge, die auf Transaktionen beruhen, sollen möglichst effizient und effektiv erfolgen. Denkt man sich jetzt noch eine schrittweise Zentralisierung der technologischen Vorgänge hinzu, landet man in etwa in einer Rechenzentrale einer Bankengruppe. Nun handelt es sich bei der Annahme, die im Bankensystem eingesetzten Technologien basieren weitestgehend auf den Parametern Effektivität und Effizienz nicht gerade um eine weltbewegende Erkenntnis.