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Einiges wurde in den letzten Tagen über das Verhältnis der Gruppe der Volks- und Raiffeisenbanken zur sog. „Occupy-Bewegung“ gesagt und niedergeschrieben. Im Fokus dabei u.a. die von der Bankengruppe bewusst gesuchte Nähe zu einer plakativen Kernaussage von Demonstranten, die da lautet:  „Wir wollen direkte Demokratie vor Ort statt Zentralismus aus Berlin oder Brüssel“. Ich frage mich bei dieser Gelegenheit: Welche Rolle spielt denn ganz allgemein „Zentralismus“ bei einer Bankengruppe, deren IT zentral gesteuert wird?

Wenn die Diskussion mit mir selbst innerhalb der letzten 2 Jahre überhaupt Erkenntnisgewinn zu Tage gefördert hat, dann diesen: Bank-Mikrospenden können derzeit technisch nicht realisiert werden. Warum nicht? Unter den zahlreichen, möglichen Erklärungsversuchen sticht besonders diese von Joseph Weizenbaum ins Auge, der im historischen Rückblick auf die Anfänge der „Computerisierung“ eine Art „Schnittstelle“ skizziert, an der tatsächlich für eine gewisse Zeit ein „Richtungswechsel“ und damit tiefgreifende Veränderungen im Verhältnis von Gesellschaft und Technik möglich waren.

Wenn es überhaupt einen Menschen gibt, der sich schon früh und dann auch noch aus der Innenperspektive u.a. mit Subsystemen in Rechenzentralen und vor allem auch deren Programmierer auseinandergesetzt hat, dann ist das wohl Joseph Weizenbaum. Kaum ein anderer Mensch könnte heute, würde man ihm zu Themen wie „Technikpartizipation von Bankkunden“, „Zentral gesteuerte, regionale, elektronische (Mikro)Spendensammel-Subsysteme“ oder ganz allgemein zu Entwicklungsmöglichkeiten, Sinn und Unsinn eines sog. „Ethical Banking“ die ein oder andere Frage stellen, erhellendere Gedanken beisteuern als er.

Sogenannte "Mikro-Transaktionen" sind in aller Munde-allerdings bisher im Wesentlichen auf die Gaming-Industrie beschränkt. Hier geht es darum, mit der Transaktion von Klein- und Kleinstbeträgen und dem Verkauf von „Virtuellen Gütern“ eine Alternative zu Abonnements anzubieten. Und ich frage mich, ob automatisierte Bank-Mikro-Transaktionen nicht auch eine zeitgemäße Spendenalternative zum allseits bekannten Spenden-Dauerauftrag sein könnten.

Langsam aber sicher scheint es an der Zeit, sich von einer „Normal-IT“ zu verabschieden und „Intelligenz“ in die zentralen Rechensysteme einfließen zu lassen. Banken sollten hier keine Ausnahme bilden. Wenn jetzt noch jedem Menschen klar wird, um was es sich bei „Intelligenter Technologie“ überhaupt handelt, ist ein weiterer, großer Schritt gemacht. Leider suche ich verlässliche Antworten auf diese Frage vergebens, was aber wiederum an der Intelligenz liegen könnte. Ein Kreislauf des Schreckens.

Wenn man sich mit automatisierten Kleinspendenprozessen, abseits des "guten alten" und auch etwas angestaubten Dauerauftrages beschäftigt, ist es manchmal das Wort „automatisiert“, das irritiert. Auch in Zeiten, in denen bequem oft noch nicht bequem genug ist sieht es so aus, als ob Banking-Insider selbst gerne die Vorzüge der Automatisierung für sich beanspruchen, dabei aber ein Bild ihrer Kunden vor Augen haben, das noch eher von Konservatismus geprägt ist.

Warum sollte ausgerechnet ein Bank-Rechenzentrum eine zentrale Sammelstelle für regionale Mikrospenden sein? Warum "zentral-regional"? Diese Frage wurde ich des öfteren schon gefragt und meine Antwort ist im großen und ganzen auch dieselbe geblieben: "Warum nicht?" Und da man Fragen nun nicht mit Gegenfragen beantworten sollte, fange ich nochmal ganz von vorne an.

Es gibt Menschen, deren Ansichten und Prognosen schwerer wiegen als die von anderen Menschen. Und wenn sich Tom Uglow, seines Zeichen Kreativdirektor im Umkreis von Google und Youtube zu Wort meldet und "Mikrospenden-Systemen" eine mögliche, erfolgreiche Zukunft prognostiziert, dann findet diese Einschätzung, zumindest internetweit, Gehör. Wenn er darüber hinaus von "wunderbaren" Fehlern bei der Produktentwicklung spricht wird es noch interessanter, denn solche "Fehler" wünsche ich mir von den IT-Dienstleistern meiner Bank schon lange.

Nach 2009 kommt immer noch 2010. Einer ähnlich linearen Logik folgen auch Jahresberichte über das gesellschaftliche Engagement der Genossenschaftlichen Finanzgruppe Volks- und Raiffeisenbanken. Wie schön, dass ich den  Blogbeitrag zum Thema Jahresbericht 2009, auch aufgrund der Beständigkeit der Bankengruppe in Sachen Spenden, heute nahezu 1:1 wieder verwenden kann. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Ob nun eher "Fels in der Brandung" oder "unflexibler Apparat" sei mal dahin gestellt.

„Nur mutige Menschen verändern Banken“ heißt es im Blog von Electrouncle Boris Janek. Und der mutige Mensch von heute, das wird im Verlauf des Beitrags deutlich, ist weit entfernt davon, ein (dauer)konkurrierendes Wesen zu sein sondern er richtet sein (wirtschaftliches) Handeln am Gemeinwohl – am Wohle (möglichst) Vieler oder idealerweise Aller – aus.

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